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Geschichtliche Entwicklung der Gemeinde

Eine wandernde Glashütte leitete in der „Reichenau“ die Siedlungstätigkeit ein. Um 1600 baute Achatz Reichenberger, ein Sohn des Hobelsberger Hüttenmeisters Heimeran Reichenberger, die Glashütte zu „Oberreichenau“ (Altreichenau) und zugleich im günstiger gelegenen „Unterreichenau“, dem heutigen Neureichenau, ein Bauerngut, in dem auch der Meister mit seinen Inleuten lebte.

Um das Jahr 1667 übernahm Adam Göschl, Richter, Mautner und Bräuverwalter der Gräflich Salburgischen Herrschaft Rannariedl in Jandelsbrunn, die Glashütte „in der Reichenau“ und verlegte sie zum Herrenhaus nach Neureichenau. Auf dem Grund der aufgelösten Althütte entstand die Glasmachersiedlung Altreichenau.

Die Streusiedlung Klafferstraß verdankt ihren Namen der alten Salzhandelsstraße (Klafferstraß), die von Böhmen über Österreich nach Passau führte. Die Besiedlung begann dort, ebenso wie in den heutigen Orten Gsenget und Lackenhäuser, im späten 17. Jahrhundert, zusammen mit der Rodung und Besiedlung des Raumes um die sog. „Neue Welt“. Die ersten Siedler kamen hauptsächlich aus Tirol. Das Gebiet gehörte damals zu österreichischen Herrschaft Rannariedl.
1765 kaufte es der damalige Fürstbischof Leopold Ernst Graf von Firmian für 315.000 Gulden zurück und verleibte es seinem Lande, zu dem es früher schon einmal gehörte, wieder ein.
Im Jahre 1806 kam das heutige Gemeindegebiet, nachdem es zuvor von 1803 - 1806 noch einmal von Österreich aus, vom Großherzog von Salzburg regiert worden war, zu Bayern.

Die Glashütte in Neureichenau arbeitete als bedeutende Glashütte bis ins späte 18. Jahrhundert. Noch im Jahr 1829 bestand Neureichenau nur aus einem einzigen Anwesen, dem Hüttengut der Göschl's. Die Glasmacherfamilie stiftete später den Grund für die Pfarrkirche. Die bis 1970 im Ort Neureichenau gültigen Hausnummernbezeichnungen von Nr. 1 bis 1 1/22 lassen darauf schließen, dass alle später gebauten Häuser auf (zumindest ehemaligem) Grund und Boden der Göschl's errichtet worden waren.

Der Ort Lackenhäuser ist untrennbar mit dem Geschlecht der Rosenberger und dem Dichter Adalbert Stifter verbunden. Noch heute erinnert das Rosenberger Gut an diese Zeit. Stifter, der Lackenhäuser für 10 Jahre zu seiner zweiten Heimat gewählt hatte, schrieb dort sein bedeutendstes Werk, den „Witiko“.

Bis 1945 und ab 1947 bis 1971 bestanden im heutigen Gemeindegebiet fünf Gemeinden: Neureichenau, Altreichenau, Gsenget, Klafferstraß und Lackenhäuser. Nach dem 2. Weltkrieg (Mitte 1945 bis Ende 1946) hatten die Amerikaner als Besatzungsmacht diese Gemeinden, mit Ausnahme von Altreichenau, in Neureichenau zu einer Gemeinde zusammengelegt.
Am 01.01.1971 gab Gsenget, am 01.04.1971 Klafferstraß ihre Selbständigkeit auf und entschlossen sich zur Eingliederung in die Einheitsgemeinde Neureichenau. Am 01.01.1978 wurden Altreichenau und Lackenhäuser in die heutige Gemeinde Neureichenau eingegliedert.